ETHIK des ZEN
- als eine der Grundlagen des Karate - Do -
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Zen besitzt eine eigene Ethik. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass man anderen nur helfen kann, wenn man sich selbst befreit, sprich: von seinem - ICH - (EGO) befreit hat. Die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe, Güte und Solidarität ist dabei allerdings niemandem - keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre - geschuldet, sondern erwächst aus der inneren Einsicht im Laufe der langjährigen Zen-Praxis von selbst. Wenn der Zen-Praktizierende bzw. der Karate-Lebende zur Auffassung kommt, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, so bedeutet dies für ihn, dass keine real existierende absolute Grenze zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen besteht. Hieraus folgt die Überzeugung, dass jede schädigende, aber auch jede helfende Handlung letztlich wieder auf den Verursachenden zurückfällt. Im Zen werden Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig abgelehnt, deshalb kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben, auch wenn sich die Mönche des Zen in der Regel freiwillig zu solchen verpflichten. Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielen dabei Mitgefühl und Mitleid mit den Mitwesen. Deshalb werden die Übungen des traditionellen Karate im Sinne von "Karate - DO" immer auch als Erfahrung des eigenen Selbst betrachtet. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heißt es: "Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten." Das bedeutet aber im Sinne von Karate - DO, diese Kampfkunst nur zur Verteidigung und Schutz seines Lebens oder das eines Anderen einzusetzen. Im Übrigen pflegen Zen und Karate - DO eine Situationsethik, die immer nur im real eintretenden, konkreten Fall geistesgegenwärtig entscheidet und handelt. Sie stellt wie im Karate den Handelnden damit in eine große Verantwortung. Dessen sollte sich der Karateausübende stets überall und immer bewusst sein. Auch sonst liegt der Schwerpunkt des Handelns in der Interaktion mit anderen Individuen - aber auch ein gesellschaftliches Engagement wird keineswegs abgelehnt. Umfassendes Engagement erscheint allerdings nur auf der Basis der Verwirklichung von Nicht-Selbst gerechtfertigt, also jenseits vom Prinzip Erfolg / Nicht-Erfolg. |